. .

Infos zum Ortsverein

Die Geschichte des Ortsvereins Littfeld-Burgholdinghausen

Angefangen hat es mit einer Willenserklärung von fünf Arbeitern,

  • Johann Krames, Bergmann
  • Ernst Lorsbach, Bergmann
  • Julius Reuter, Steiger
  • Wilhelm Benfer, Schmied
  • Fritz Klein, Walzarbeiter

sich der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands anzuschließen. Dies war der 25. März 1921.

Zwei Jahre später, am 23. März 1923 gründeten diese Genossen zusammen mit Friedrich Böcking, August Benfer, Jakob Müller, Adolf Katz, Robert Münker, Friedrich Plett und Heinrich Benner den SPD-Ortsverein Littfeld-Burgholdinghausen. Der erste Vorsitzende des Ortsvereins war Johann Krames.

Schon 1 Jahr später, im Jahr 1924 konnte ein vollständiger Vorstand gewählt werden:

  • 1. Vorsitzender/Kassierer Johann Krames,
  • 2. Vorsitzender Julius Reuter
  • Schriftführer Friedrich Böcking (Knappschaftsältester) 

Ein durchaus mutiger Schritt in diesen Zeiten. Die Arbeit für den noch jungen Ortsverein gestaltete sich anfangs schwierig. Sie wurde jedoch getragen durch die Aktivitäten der Gewerkschaften IG-Metall und des freien Bergarbeiterverbandes, denen die meisten Genossen angehörten.

Aufzeichnungen existieren kaum noch aus diesen Gründerjahren, als die „Weimarer Republik“ nicht zur Ruhe kam. Die 20er Jahre mit ihren wirtschaftlichen Problemen hatten auch Einfluss auf das kleine Bergmannsdorf Littfeld-Burgholdinghausen im nördlichen Siegerland. Die Zersplitterung der politischen Landschaft und Ihre Polarisierung in die Extreme waren auch ein Stück Littfeld-Burgholdinghausener Geschichte und ihrer SPD, einer der ältesten Gliederungen der Partei im heutigen Unterbezirk Siegen Wittgenstein.

Wenn auch bei vielen Schaffenden die Notwendigkeit zur Geschlossenheit bestand, im Beruf wie auch auf politischer Basis war der Anfang mit wenig Erfolg gekrönt. Die schlechte wirtschaftliche Lage, die Inflation und die Durchsetzung gegen die bürgerlichen Interessengruppen, aber auch die Beitragszahlungen, waren Gründe zur Zurückhaltung. Die Mitgliederzahl stieg nur langsam.

Die gestellten Aufgaben waren enorm und erforderten viel Zeit und kämpferischen Mut. Immerhin hatten die meisten eine Arbeitszeit von 12 Stunden und mehr. Vorstandssitzungen wurden beim Vorsitzenden abgehalten. Tagungsort für Versammlungen war die Gaststätte Siebel (Postkutsche) oder der Saal der Gaststätte Wetter.

1929 hatte der Genosse Krames in Verhandlungen mit der Grubenleitung und der Forstverwaltung erreicht, dass die Holzbaracke an dem Weg vom Heinrichsegen zum Stoss den Mädchen und Jungen der Roten Falken zur Verfügung stand. Dieser Gruppe schlossen sich auf die späteren Genossen Hans und Clemens Krames sowie Helmut Reuter an. Neben Spiel und Spaß leistete diese Gruppe auch schon Hilfe beim Plakatieren und bei Flugblattaktionen.

Weitere Unterstützung erhielt der Ortsverein aus der 1929/1930 entstandenen Schalmeienkapelle. Die Kapelle begleitete die Genossen zu Versammlungen und Aufmärschen.

Obwohl die SPD 1928 mit Hermann Müller bereits die Regierung stellte, gelang den Littfelder Genossen gegenüber der KPD und den bürgerlichen Parteien nicht der Durchbruch. Mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit wurde das politische Klima immer trüber und radikaler. Es kam oft zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. Die NSDAP nahm an Gefolgsleuten zu und beherrschte das Straßenbild. Es war nicht mehr angebracht als Andersdenkender bei Dunkelheit allein unterwegs zu sein. Genossen wurden in Schlägereien verwickelt und zusammengeschlagen. Plakatierungen waren nur noch in Gruppen möglich.

Sehr bald, nachdem die Nazis die Macht übernommen hatten, begann in Littfeld die Hetze der Nazis gegen die beiden ansässigen jüdischen Familien, obwohl diese in der Dorfgemeinschaft als auch in den Vereinen voll integriert waren. Bürger die bei den Juden einkauften wurden von SA-Leuten notiert. Die Hetze endete bekanntlich 1943 mit der Deportation der restlichen Familienmitglieder in die Konzentrationslager.

Die politische Situation spitzte sich immer mehr zu. Die Genossen trafen sich abends bei dem Johann Krames, um neueste Informationen zu bekommen. Am 09. Mai 1933 wurde eine Hausdurchsuchung bei dem SPD-Ortsverein Littfeld im Hause des Genossen Julius Reuter durchgeführt und alle Unterlagen sowie die Kasse und die Musikinstrumente durch die NSDAP beschlagnahmt. Als die SPD am 22. Juni 1933 verboten wurde, hörte auch der Ortsverein Littfeld-Burgholdinghausen, der zuletzt 23 Mitglieder hatte, auf zu existieren. Der letzte Vorstand setzte sich zusammen aus: Johann Krames - 1.Vorsitzender, Walter Merte - 2. Vorsitzender, Julius Reuter - Schriftführer und Kassierer.

Nach Beendigung des Krieges und dem Zusammenbruch des III.Reiches rief der Genosse Johann Krames die noch Lebenden und aus dem Krieg und der Gefangenschaft bereits Heingekehrten erneut zusammen, um die Arbeit der Partei wieder aufzunehmen. Der neue Vorstand bestand aus dem 1.Vorsitzenden - Johann Krames, Schriftführer - Ewald Knipp, Kassierer - Joseph Becker.

Johann Krames wurde in den Wiedergutmachungsausschuss berufen und bewahrte so manchen Bürger vor Unannehmlichkeiten bei der Entnazifizierung.

Ab dem 01. September 1945 konnte die SPD im Ortsverein Littfeld-Burgholdinghausen die ersten Zugänge verzeichnen und die Mitgliederzahl wuchs bis zu 01.12.1945 auf 32 Genossen.

Die Männer der ersten Stunden nach dem Krieg hatten viele Sorgen und Schwierigkeiten. Notlagen mussten gemeistert werden. Für Ausgebombte und Flüchtlinge mussten Unterkünfte und Brennstoff beschafft werden. Der Genosse Julius Reuter war damals stellvertretender Bürgermeister. Nach dem Tode von Johann Krames, der nicht nur Gründungsmitglied, sondern über viele Jahre in führender Position den Ortsverein durch viele Tiefen geführt hatte,  übernahm Albert Henk den Vorsitz des Ortsvereins.

Der starke Mitgliederzuwachs ebbte rasch ab. Ein Teil der Genossen war verstorben, ein anderer Teil hatte der Partei wieder den Rücken gekehrt. Es ging ja wieder aufwärts und man brauchte die Partei nicht mehr. Andere fühlten sich wieder sicher, denn die Entnazifizierung war vorbei. CDU und FDP bekamen die Oberhand im Ort. Auf kommunaler Ebene gelang es der SPD nicht, sich zu behaupten. Sie stellte zwei Gemeindevertreter und 1 Amtsvertreter. Der Mitgliederbestand war auf 20 Genossen geschrumpft und damit auch der Kassenbestand. Dies beeinträchtigte die Aktivität des Ortsvereins.

Es dauerte mehrere Jahre bis die SPD in Littfeld eine führende Position einnahm. Unter dem Vorsitzenden Otto Baumgardt, dem 2. Vorsitzenden und Schriftführer Julius Reuter und dem Kassierer Herbert Benner versuchte die SPD den Wahlgang 1956 zu meistern. Hier war die SPD mit Otto Baumgardt und Julius Reuter in der Gemeindevertretung und Heinrich Dönges in der Amtsvertretung erfolgreich. Der Mitgliedsbeitrag lag zu diesem Zeitpunkt lag bei 0,60 – 1,80 DM.

Mit den Kandidaten Erich Klein, Helmut Reuter, Ernst Schneider und den Gewerkschaftlern Willi Meister, Walter Klein, Günter Dönges ging die Partei 1961 in den Wahlkampf und erreicht erstmalig in Littfeld die meisten Stimmen. Somit war man im Gemeinderat am stärksten vertreten.

Ergebnis Kommunalwahl 1961           

CDU 882 Stimmen
SPD 1001 Stimmen
FDP 898 Stimmen

Mit der Wahl 1961 vollzog sich für die SPD eine Verstärkung in der Mitwirkung kommunaler Aufgaben und Belange. Getragen von dem Vertrauen der Bürger durch das Wahlergebnis setzten sich die gewählten Mandatsträger zum Wohle der Bürger ein. Die SPD war jetzt in allen Ausschüssen vertreten und bestimmte die Arbeit mit. Mit dem 1. Antrag: Die Protokolle jedem Ratsmitglied des Gemeinderates auszuhändigen, wurde die Vorraussetzung einer besseren Arbeit und korrekten Wahrung und Verpflichtung gewährleistet. Als Vertreter zum Bezirks- und Kreisgemeindetag wurde Helmut Reuter entsandt.

Die neue Mannschaft fand auch bei den Bürgern Vertrauen, doch es war nicht möglich, die Bürger zur Mitgliedschaft in der Partei zu bewegen. Der Verein pflegte in dieser Zeit besonders den Kontakt zu den Mitgliedern.

Bei den Kommunalwahlen 1964 stellte der Ortsverein mit den Kandidaten Erich Klein, Helmut Reuter, Otto Langenbach, Willi Meister, Clemens Krames, Günter Dönges und Willi Lappe die absolute Mehrheit im Gemeinderat. In der Ratssitzung vom 09. Oktober 1964 beschließen CDU und FDP eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Erich Klein wird mit 8 gegen 5 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. In die Amtsvertretung wurden Erich Klein/SPD und Fritz Jung/FDP gewählt. 1968 verstarb der langjährige Amtsvertreter Heinrich Dönges.

Der Jahreswechsel 1968 war das Ende der Gemeindeverwaltung und die Geburtsstunde der Stadt Kreuztal. Auf der Stadtebene gründete die SPD einen Stadtverband als Organisation über die weiterhin eigenständigen Ortsvereine der Stadt.

Bei den Wahlen zum SPD Stadtverband stellte der OV Littfeld die Vertreter Hans Joachim Jung als Schriftführer sowie Helmut Reuter als Beisitzer. Dies konnte sein Vater, das Gründungsmitglied Julius Reuter noch miterleben bevor er am 28.08.1974 verstarb.

In den neu gebildeten Rat wurden 1969 Erich Klein und Otto Langenbach gewählt. Für Langenbach rückte Günter Dönges im Lauf der Wahlperiode nach. 1975 kam erstmals der heutige Fraktionschef Karl-Heinz Schleifenbaum in die Stadtverordnetenversammlung, zusammen mit Horst Schneider und Ernst Dittmann. 1979 war Berthold Münker neben Schleifenbaum zweiter Littfelder im Rat, gab aber sein Mandat 1982 an Helmut Reuter ab. Dieser wurde 1984 direkt in den Rat gewählt und verzichtete 1986 aus gesundheitlichen Gründen auf seinen Sitz. Für ihn kam Dieter Julius. 1989 wurden wieder beide Kommunal-Wahlbezirke von Christiane Rink und Karl-Heinz-Schleifenbaum direkt gewonnen.

Im Jahr 1993 verstarb im Alter von nur 52 Jahren Heinz Schabelon, der als stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins, beim Stadtverband sowie als sachkundiger Bürger seine Aufgaben wahrgenommen hatte.

Die Themenstellung änderte sich in all den Jahren: Ging es in Zeiten der selbstständigen Gemeinden noch um infratrukturelle Verbesserungen, beklagten sich die SPD-Mitglieder Anfang der 70er Jahre über mangelnde Transparenz der Arbeit im neu geschaffenen Rat der Stadt. Der Autobahnneubau 1978 und zuletzt im Wahlkampf 1989 die Frage der Wiederverwendung der ehemaligen Littfelder Schule waren heiß umstrittene Probleme.

Unter dem Vorsitz von Berthold Münker feierte der OV sein 50jähriges Jubiläum auf der Silberardt im Jahr 1973. Zum 60. Jubiläum, im Jahr 1983, stattete Bundesgeschäftsführer Peter Glotz dem OV und seinem damaligen Vorsitzenden Hans Rüb jr. einen Besuch ab. Und das 70. Jubiläum feierte man am 23.03.1993 in der Kapellenschule Littfeld. Der Vorsitzende des Ortsvereins war Wolfgang Otto, der sein Amt bereits seit 1985 inne hatte und noch heute begleitet.

Zum 75jährigen Bestehen 1998 hielt Prof. Dr. Friedhelm Farthmann, MdL, einen Festvortrag und der Anlass wurde mit einem Frühschoppen sowie einem Kinderflohmarkt an der Kapellenschule in Littfeld gefeiert. Hier wurde nochmals deutlich daran erinnert, dass fünf Männer im Jahr 1921 sich der SPD angeschlossen hatten und 1923 mit weiteren sieben Genossen unter schwierigsten politischen und sozialen Bedingungen und unter persönlichen Benachteiligungen diesen Ortsverein gegründet hatten.

 

Cookie Hinweis
Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Nutzung dieser Cookies zu.
Siehe auch unsere Datenschutzerklärung


Akzeptieren & schließen