Montag 08.07.2019

Förderung bei Lese-, Schreib- und Rechenschwächen dringend notwendig

Neues Projekt beim Stadtteilbüro Fritz-Erler-Siedlung

v.l. Bürgermeister Walter Kiß, Tanja Bingener, Fraktionsvorsitzender Karl Heinz Schleifenbaum

6,2 Millionen Erwachsene können nicht richtig lesen oder schreiben!

In der letzten Fraktionssitzung vor der Sommerpause ließ sich die SPD-Ratsfraktion Kreuztal von Frau Dipl. Sozialpädagogin Tanja Bingener, Mitarbeiterin der Stadt Kreuztal, über ihre Arbeit als Projektkoordinatorin des Alphabetisierungs- und Grundbildungsprojekts „ABC-Bingo“ informieren.

Laut einer aktuellen Studie haben 6,2 Millionen Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren in Deutschland Probleme beim Lesen und Schreiben. Jeder achte Deutsche ist funktionaler Analphabet, kann also Buchstaben, Wörter oder Sätze nicht schreiben oder sinnerfassend lesen. Die große Zahl ist umso erschreckender, als von diesem Personenkreis über sechzig Prozent erwerbstätig sind und für fünfzig Prozent Deutsch Muttersprache ist.

Ursachen dieses Phänomens können mangelnden Förderung in Schule und Elternhaus, bildungsferne Familienstrukturen im sozialen Umfeld, aber auch gesundheitliche Einschränkungen sein. Die durch Bundesmittel im Rahmen der „AlphaDekade 2016 -2026“ geförderte Teilzeitstelle der Projektkoordinatorin ist für Öffentlichkeitsarbeit, Schaffung von Lernangeboten und Kooperation mit anderen Bildungsträgern und Einrichtungen zuständig. Frau Bingener zeigte den Fraktionsmitgliedern die hohen Hemmschwellen und die Vermeidungsstrategien der Betroffenen auf. Angebote im Mehrgenerationenhaus, um leseschwache Personen zum Lernen zu ermuntern, sind anonyme Sprechstunden, niedrigschwellige Schnupperangebote, kostenlose Online-Lernprogramme sowie ein Lesecafé. Die Kreuztaler Stadtbibliothek bietet zudem ein Selbstlernzentrum mit Büchern in einfacher Sprache an.

Nach dem Motto „Erkennen - Ansprechen – Vermitteln“ werden leseschwache Personen, ihre Familienangehörigen und Multiplikatoren aller gesellschaftlichen Gruppen gebeten, sich in Fällen der Betroffenheit mit Frau Bingener (02732/3790, t.bingener@kreuztal.de) in Verbindung zu setzen.